Ehrenamt oder Bürgerschaftliches Engagement: Um was geht es?

Eine lebendige Gemeinde ist ohne das persönliche Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger nicht denkbar.  Sie engagieren sich für ihren Stadtteil, die Kirche oder die Schule, sie sind im Verein aktiv, helfen bei den Hausaufgaben, mähen im Garten der Nachbarin oder übernehmen Vorlese-Patenschaften - die Möglichkeiten des Engagements sind vielfältig.

Letztlich profitiert das Gemeinwesen ebenso von den freiwillig Engagierten, wie diese auch selbst: weil es einen Sinn hat, was man da tut, weil man gebraucht wird, Menschen trifft, die man sonst nicht treffen würde und seinen eigenen Erfahrungshorizont erweitert.

Der alte und schon lange eingeführte Begriff des Ehrenamtes ist in den letzten Jahren ein wenig in Misskredit geraten. Assoziiert man damit doch eher vorgegebene Strukturen und eine hohe Verbindlichkeit. Bereits Wilhelm Busch hat – augenzwinkernd – kritisch angemerkt:

                              Nur kein Ehrenamt

Willst Du froh und glücklich leben,

lass kein Ehrenamt dir geben!

Willst Du nicht zu früh ins Grab

lehne jedes Amt gleich ab!

Wie viel Mühen, Sorgen, Plagen

wie viel Ärger musst Du tragen;

gibst viel Geld aus, opferst Zeit -

und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich

und so ruhig und so gemütlich,

Du sparst Kraft und Geld und Zeit,

wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,

denn der Klatschsucht scharfe Schere

schneidet boshaft Dir, schnipp - schnapp,

Deine Ehre vielfach ab.

 

Gerade die klassischen Vereine haben zunehmend darunter zu leiden, dass die vermutete hohe Verbindlichkeit und lange Bindung mögliche Interessenten eher abschreckt. Und leider wird mit den Begriffen „Ehre“ und „Amt“ auch nicht unbedingt eine Tätigkeit verbunden, die Spaß macht und auch der Selbstverwirklichung dient.

Dem Bürgerschaftlichen Engagement werden andere Attribute zugeordnet, wie die Enquete-Kommission „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages dargelegt hat:

Bürgerschaftliches Engagement ist freiwillig. Die bürgerschaftliche Qualität des Engagements wird durch Selbstorganisation und Selbstbestimmtheit des freiwillig ausgeübten Engagements bestimmt. Die Freiwilligkeit entspricht dem Wandel des bürgerschaftlichen Engagements hin zu kurzfristigerem, motivational weniger gebundenem Engagement, schränkt aber auch Berechenbarkeit und Verbindlichkeit und damit teilweise den Nutzen ein.

Bürgerengagement ist nicht auf materiellen Gewinn gerichtet. Es wird also nicht, wie Erwerbsarbeit, zeit- oder leistungsäquivalent bezahlt und findet von daher auch nicht vorrangig aufgrund der Bezahlung statt. Neben völliger Nichtbezahlung sind aber Aufwandsentschädigungen oder Geringbezahlung möglich.

Mindestens ein Effekt des bürgerschaftlichen Engagements muss ein positiver Effekt für Dritte sein, es muss also Gemeinwohlbezug haben. Das bedeutet aber nicht, dass altruistische Motive im Vordergrund stehen müssen, ebenso kann die Motivation zum bürgerschaftlichen Engagement einen Selbstbezug haben, wie Selbstverwirklichungsmotive oder Formen der oben beschriebenen Selbsthilfe.

Bürgerengagement ist öffentlich, bzw. findet im öffentlichen Raum statt, da Öffentlichkeit einerseits wichtig für die Interessenvertretung der Engagierten, die Schaffung einer Anerkennungskultur und die Bereitstellung von Information für die Tätigkeit der Engagierten ist. Andererseits gewährleistet sie Transparenz, Dialog, Teilhabe und Verantwortung in den Organisationsformen des Engagements.

In der Regel wird bürgerschaftliches Engagement gemeinschaftlich, bzw. kooperativ ausgeübt. Es umfasst dabei aber nicht nur das Engagement im Sinne des traditionellen Ehrenamtes, welches vor allem stark formalisiertes, langfristiges Engagement bezeichnet.

Aber ob man nun von Ehrenamt oder von Bürgerengagement spricht: Wie bei allen Definitionen geht es doch darum:

Wichtig ist, was man draus macht!